23 Feb
23Feb

Seit 8 Jahren nehme ich nun Anrufe an unserem Massage-Telefon entgegen. Da schlägt einem ganz schön was entgegen und so manches Mal fällt einem fast der Hörer aus der Hand. Manchmal lustig, manchmal ernst und leider viele Male ach du Schreck völlig daneben. Ehrlich, ich könnte ein Buch schreiben, doch ich belasse es mal bei einem Blogbeitrag als kurzem Ausschnitt für Euch. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere darin wieder? Ist nicht bös gemeint.

Meylin


Der „Was machen alles“ Typ


Ach je. Meist hat er seine liebe Mühe mit dem Sprechen. Es will ihm einfach nicht von der Zunge. Dann wieder ein unsicher gegrunztes: Was machen alles? Hallo, Grüss Gott, Grüezi, Fehlanzeige. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat er sich in der Nummer geirrt, doch dafür gibt es keine Beweise. Wofür gibt es heute Webseiten, die einem über alles aufklären? Dieser Typ hat noch nicht begriffen, dass man sich heutzutage informiert, bevor man zum Telefon greift. Vielleicht stammt er aus einer fernen Zeit. Sicher ist, dass er den Unterschied zwischen Massage und Sex nicht kennt oder für ihn ist ganz einfach alles dasselbe. Eigentlich wollte er ja ins Bordell. Wie er bei der Massage gelandet ist, wissen nur die Götter.


Der „Hangup“ Typ


Au weija. Als Männer noch Männer waren. Doch das ist für diesen Typen schon sehr lange her. Kriegserfahren ist er jedenfalls nicht. Er ruft an, will einen Termin vereinbaren, eine männliche Stimme meldet sich freundlich. Sendepause, der Hörer fällt ihm aus der Hand, ob solcher Ungeheuerlichkeit, das Herz rast und mit knapper Not noch die Stopptaste gedrückt. Schweißausbruch, nasse Hosen. Männer, aber nichts in der Hose und im Kopf schon gar nicht. Angsthasen aus dem Lehrbuch der Naturgewalten. Er zittert noch immer vor Angst und betet darum, dass beim nächsten Mal dieser Albtraum mit einer lieblichen weiblichen Stimme belohnt wird.


Der „Wo bist du“ Typ


Soweit ich mich erinnere, gibt es ein Lied davon. „Wo bist du geblieben?“ Er ruft scheinbar vergeblich in den Wald „wooo bist duuu?“ Er schreit und schreit und dabei bin ich noch immer hier und telefoniere. Schon wieder tönt es: „wo bist du? Bis jetzt habe ich noch keinen Namen erfahren, von einem Grüezi, Tschau oder Grüss Gott ganz zu schweigen. Schon wieder echot es: „Wo bist du?“ Ich sage freundlich, dass er einen Termin vereinbaren müsse, doch das scheint ihn nicht zu interessieren, denn schon wieder fragt es: „Wo bist du?“


Der „Bist du frei“ Typ*


Kaum bin ich am Apparat tönt es schon in meinen Ohren: „Bist du frei?“. Klar bin ich frei, ich war schon immer frei, nie im Gefängnis oder sonst wie eingesperrt. Ich sage Hallo, was kann ich für dich tun? „Bist du frei?“, tönt es schon wieder. Ich frage wann willst du kommen? „Jetzt, jetzt kommt die Antwort stossweise. Ich denke gleich explodiert etwas, aber nein, denn schon wieder tönt es: „Bist du frei?“ Ich bin zwar noch immer nicht eingesperrt, doch das hat die Type noch nicht geschnallt. Und wieder frage ich, wann er denn kommen will? Und wieder tönt es: „Bist du frei?“ Ich lege nun auf, ich bin so frei, denn ganz offensichtlich war dies sein ganzer Wortschatz.


Der „was kostet“ Typ

Natürlich hat jedermann das Recht nach dem Preis zu fragen, aber ein freundliches „Guten Tag“ davor sind wir doch noch wert. Fehlanzeige: „Was kostet, Preis, Preis?“ Wir reden doch auch ganz normal, in Sätzen meine ich. Ich weiss noch nicht einmal, welchen Preis er zu wissen wünscht, da tönt es schon wieder: „Preis, Preis?“. Gleich verschluckt er sich. Preis von was, frage ich. Massage, Massage. Da sind sie schon wieder, diese abgehackten Worte. Die ganze sprachliche Begabung, die sich in einzelnen Worten erschöpft. Eines ist sicher. Geniesser tönen anders und ein wahrer Gentleman fragt selten nach dem Preis.


Der „hier ist Peter, guten Tag“ Typ

Es gibt sie doch noch, die guten Kunden. Ernsthaft, wir haben reichlich davon. Kunden, die sich ganz normal und anständig mit ihrem Namen melden, so wie es eigentlich sein müsste. Schön ist, dass der weit überwiegende Teil unserer Kunden dieser Spezies angehört, denn sonst wäre der Telefondienst, den ich seit 5 Jahren nun leiste, definitiv eine unmenschliche Tortur. Allen Kunden, die sich so verhalten, erstmal ein ganz herzliches Dankeschön. Es ist eine Freude mit euch Termine zu vereinbaren und euch in einem unserer Zentren zu begrüssen.


Der „No number“ Typ

Dieser Typ ist sehr speziell. Obwohl durch die Coronamassnahmen von den Behörden gefordert wird, die lückenlose Nachverfolgung sicherzustellen, versteckt sich Herr Unbekannt noch immer hinter dem Kürzel „unbekannt“. Er bewegt sich hier in der Illegalität und merkt es wahrscheinlich nicht einmal. Auf jeden Fall hat er irgendetwas zu verbergen, was wissen die Götter. Dabei gibt es wahrscheinlich nichts Diskreteres, als eine Massage zu buchen, denn wenn dem nicht so wäre, sich unser Geschäft längst in Luft aufgelöst hätte. Übrigens: Die Telefonnummern werden bei uns nach 14 Tagen gelöscht. Wir denken, man kann zu seinem Leben stehen.


Der „Hier ist Rolf. Kann ich um 20 Uhr vorbeikommen“ Typ

Es gibt sie noch, die wahren Gentleman. Er informiert sich vorgängig, denn Informationen sind ja wirklich zur Genüge vorhanden. Er fragt nicht nach dem Preis, da er weiss, dass guter Service auch seinen Preis wert ist. Seine Freundlichkeit am Telefon ist schon fast sprichwörtlich und manchmal ist er sogar zu einem kleinen Telefonschwatz aufgelegt. Man kann auch mit ihm Lachen und kleine Scherze machen. Er versüsst einem den Tag und dafür danke ich ihm.


Der „Facetime“ Typ

Jetzt wird’s definitiv heftig, denn was sich diese Spezies erlaubt ist schon unter aller Kanone. Wir haben uns deshalb entschlossen, keine Facetime Telefone mehr anzunehmen. Warum das denn, werden sich manche fragen? Ich kann es euch erklären. Wir nehmen einen Facetime Anruf entgegen und was sehen wir zuerst? Einen Kopf, und zwar nicht einen normalen Kopf wie dies jeder vernünftige Mensch denkt. Nein, sondern den Kopf eines erigierten Penis in seiner vollen Lebensgrösse. Solche Typen gehören sicher nicht zu unseren Kunden, solche Typen gehören in eine Klinik, und zwar schleunigst. Ich kann hier nur sagen: „Pfui“


Der „30 Minuten“ Typ

Der typische Happyend Typ. Eigentlich will er gar keine Massage geniessen, sondern nur das Happyend. Dieser Kunde passt eigentlich gar nicht zu uns, da unser Fokus eindeutig auf einer guten Massage liegt. Wir nennen ihn deshalb auch den Happyend-Kunden. Wenn es denn ginge, wäre er auch mit 15 Minuten zufrieden oder gar mit noch weniger, da er normalerweise auch sehr schnell zum Ergebnis kommt. Allem in allem, nicht unser Fall.

Ich hoffe nun, ihr habt euch etwas amüsiert. War nicht bös gemeint.

Kommentare
* Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.